Das Hirschbrückenfest und sein historischer Hintergrund

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In diesem Jahr findet vom 16. bis 20. Juli in der Südweststadt wieder das traditionelle Hirschbrückenfest statt. Das Fest wurde 1977 ins Leben gerufen, um die Sanierungsarbeiten an der Brücke zu feiern. Diese war im Zweiten Weltkrieg (wenn auch nicht schwer) beschädigt worden und drohte in den 1950er Jahren abgerissen zu werden, als man erwog, sie durch eine moderne Brücke zu ersetzen. Der entschiedene Widerstand der Bürger der Südweststadt (unterstützt von ihrem Bürgerverein) brachte die Stadtverwaltung jedoch dazu, ihre Meinung zu ändern, und man entschied sich schließlich für die Restaurierung des alten Bauwerks. Mittlerweile war die Brücke Teil des Viertels geworden und erinnerte mit ihrer gusseisernen Konstruktion im Stil des späten 19. Jahrhunderts nostalgisch an dessen Geschichte und verlieh ihm einen „pariserischen“ Touch. 

Und tatsächlich ist die Geschichte, die die Brücke erzählt, eng mit der Entstehungsgeschichte der Südweststadt verbunden. Wir befinden uns in der Mitte des 19. Jahrhunderts, und die Stadt Karlsruhe reichte nach Süden nur wenig über die Kriegsstraße hinaus. Die Gartenstraße, die ihren Namen dieser Zeit verdankt, bildete die Grenze des Stadtgebiets. Das Gebiet im Süden bestand noch größtenteils aus Acker- und Gartenland und erstreckte sich überwiegend auf das Gemeindegebiet von Beiertheim. Mit der Ansiedlung eines Industriegebiets und dem Bau der Eisenbahnlinien änderte sich alles schlagartig. Gerade die Eisenbahn wurde zum Motor für eine rasche Industrialisierung des Großherzogtums Baden; diese Strecken waren für den Personen- und Güterverkehr notwendig und militärisch von großem strategischem Interesse für den schnellen Truppentransport. Die Badische Hauptbahn wurde zwischen 1840 und 1863 gebaut und verlief von Mannheim nach Konstanz. Von Heidelberg aus führte sie von Osten her auf Höhe der Kriegsstraße nach Karlsruhe und erreichte den Stadtbahnhof, der sich im jetzigen Theaterviertel befand. Dann bog die Strecke nach Süden ab, entlang der heutigen Beiertheimer Allee, um weiter in Richtung Freiburg zu führen.

Noch wichtiger für unser Viertel waren jedoch die Linien, die aus Nordwesten kamen: die Maxaubahn (1865) und die Hardtbahn (1870), die über die heutige Hildapromenade bzw. die Erzbergerstraße in die Stadt führten; die beiden Linien trafen sich in der Stadt am Mühlburger Tor und führten auf Höhe der Kreuzung Brauer-Kriegsstraße in das Viertel. Sie durchquerten es von West nach Ost dort, wo sich heute die Mathystraße befindet. Schließlich schlossen sich die Linien wieder an die Bahnlinie der Beiertheimer Allee an oder führten weiter nach Norden zum Bahnhof oder nach Süden in Richtung Bulach, wobei sie auf die heutige Jollystraße abbogen.

Mit der Ansiedlung der Fabriken dehnte sich die Stadt nach Süden aus, sodass Verbindungswege geschaffen werden mussten, um das Hindernis der Eisenbahn zu überwinden. Zu diesem Zeitpunkt (wir befinden uns in den Jahren 1888 und 1891) wurde beschlossen, eine Überführung zu errichten, um die Eisenbahnschienen an der Mathystraße zu überqueren und so die Hirschstraße nach Süden weiterzuführen. Unter Ausnutzung eines natürlichen Hügels wurde der Eisenbahngraben mit einer für die Architektur jener Zeit typischen Gusseisenbrücke überquert. Dies ermöglichte eine ununterbrochene Verbindung zwischen Nord und Süd und vermied endlose Wartezeiten während der Schließung der Bahnübergänge.

Diese Situation dauerte jedoch nicht lange an; die Notwendigkeit einer raschen Ausdehnung der Stadt nach Süden stand in unüberbrückbarem Widerspruch zur Präsenz von Eisenbahnlinien im Stadtgebiet. Aus diesem Grund wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts das gesamte Eisenbahnnetz weiter nach Süden verlegt (an seinen heutigen Standort), wodurch die weitläufigen Gebiete südlich der Kriegstrasse für eine rasche Urbanisierung freigegeben werden konnten. Unsere Brücke verlor ihre Funktion als Eisenbahnüberführung, blieb aber wichtig, um an dieser Stelle den ehemaligen Eisenbahngraben zu überqueren, der später von den städtischen Straßenbahnlinien genutzt werden sollte. Die Brücke gewann zunehmend an Bedeutung als Wahrzeichen der Südweststadt, sodass sie später als Symbol für diese im Stadtwappen ausgewählt wurde. 

Seit 1977 wurde das Hirschbrückenfest jährlich fast 30 Jahre ununterbrochen ausgerichtet. Organisiert vom Bürgerverein der Südweststadt wurde es zu einer Tradition. Ab 2010 konnte das Fest aufgrund organisatorischer und finanzieller Probleme nicht mehr organisiert werden und es dauerte ganze 12 Jahre, bis es dem Bürgerverein 2023 gelang, das Fest in neuer Form wieder aufleben zu lassen, indem er Fachleute aus der Gastronomie mit ins Boot holte. In diesem Jahr findet das Fest zum 34. Mal statt.

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